Holz und Feuchtigkeit
Holz entsteht durch Wachstum lebender Organismen und ist das wohl älteste und natürlichste Baumaterial, das dem Menschen bekannt ist. Holz ist von der Struktur sowie von seiner chemischen Zusammensetzung ein uneinheitlicher Stoff und besteht im wesentlichen aus ca. 40 bis 50 % Zellulose, 20 bis 30 % Lignin und 15 bis 20 % Polyose (Hemizellulose). Weitere, in Spuren vorkommende Holzinhaltsstoffe sind Harze, Wachse, Terpene, Phenole, Gerbstoffe, Farbstoffe, Fette, Zucker, Eiweiß und Mineralstoffe. Frisch geschlagenes Holz hat einen Wassergehalt von ca. 40 bis 60 %, der nach entsprechender Lufttrocknung, je nach Umgebungsklima bei z.B. Bauholz, Fenster und Türen auf ca. 12 bis 18 %, bei Möbeln, Innentüren und Parkett auf 6 bis 12 % absinkt.
Holzschädlinge
Zerstörungen des organisch gewachsenen Stoffes Holz können neben klimatischen Einflüssen durch bestimmte Pilze und Insekten hervorgerufen werden. Pilze Alle Pilze benötigen zum Wachstum eine Holzfeuchte von wenigstens 20%, die meisten Pilzarten aber noch erheblich mehr. Im Haus erreicht die Holzfeuchte Werte zwischen 6 bis 12%, im Außenbereich unter Dach im allgemeinen unter 20 %. Nur bei extremen Wettersituationen und bei direkter Bewitterung können Holzfeuchten über 20 % auftreten.
Man unterscheidet zwischen holzverfärbenden und holzzerstörenden Pilzen .
Der bekannteste holzverfärbende Pilz ist die „Bläue“, der gefürchteste holzzerstörende Pilz ist der „Schwamm“. Durch holzverfärbende Pilze wird die Holzfestigkeit nicht wesentlich beeinträchtigt, das Holz ist aber unansehnlich und anfälliger für andere Holzschädlinge. Bei den Bläuearten wird zwischen Stammholzbläue, Schnittholzbläue, Innenbläue und Anstrichbläue unterschieden. Durch holzzerstörende Pilze wird die Festigkeit und Tragfähigkeit des Holzes derart herabgesetzt, daß es zu einer völligen Unbrauchbarkeit des Holzes kommt. Bei den holzzerstörenden Pilzen unterscheidet man zwischen Hausfäulen (Echter Hausschwamm, Kellerschwamm, weißer Porenschwamm etc.) und Lagerfäulen (Blättling, Eichenporling, Moderfäule, Schmetterlingsporling etc.). Tierische Holzschädlinge Neben pflanzlichen Holzschädlingen stellen auch tierische Schädlinge eine Gefahr für das Holz dar. Die tierischen Holzschädlinge werden in zwei Gruppen eingeteilt, und zwar wird unterschieden zwischen den Frischholzinsekten , die nur nicht entrindetes, frisches Holz befallen und Trockenholzinsekten , die auch im verbauten, trockenen Holz zu finden sind.
Typische Vertreter tierischer Holzschädlinge: Frischholzinsekten: Blauer Scheibenbock, Fichtensplintbock, Halsgrubenbock, Holzwespe Trockenholzinsekten: Hausbock (im Bild als Käfer und Larve), Nagekäfer (Klopfkäfer, etc.), Splinthotzkäfer (Parkettkäfer)
Wie bei den pflanzlichen Holzschädlingen benötigen auch die tierischen Holzschädlinge zum Leben Holzfeuchtigkeit. Die Größenordnung der Holzfeuchtigkeit liegt bei wenigstens 10%. Weiterhin sind niedrige Temperaturen für die Schädlingsentwicklung von Vorteil. Bei richtiger Baukonstruktion und in geheizten Räumen sind tierische Holzschädlinge dagegen kaum anzutreffen. Bei befallenem Holz kann allerdings die Festigkeit und Tragfähigkeit des Holzes erheblich herabgesetzt werden, so daß es in Extremfällen sogar zur Unbrauchbarkeit des Holzes kommen kann.
Holzgruppen und -arten - Anfälligkeit für Holzschädlinge
In der nachfolgenden Aufstellung sind Pilz- und Insektenanfälligkeiten verschiedener einheimischer Nadel- und Laubhölzer sowie außereuropäischer Hölzer dargestellt.
Einheimische Nadelhölzer
Holzname |
Verwendung |
Eigenschaften |
Pilzanfälligkeit |
Insektengefahr |
Tanne/Fichte |
Bauholz, Fenster, Türen, Innenausbau, Möbel |
Weich, gute Standfestigkeit, mäßig witterungsfest |
groß |
groß / sehr groß |
Kiefer |
Bauholz, Fenster, Türen, Innenausbau, Möbel, Furniere |
Mittelhart, gute Standfestigkeit, harzreich, mäßig witterungsfest |
Sehr groß |
groß |
Lärche |
Bauholz, Außenverkleidung, Fußboden , Fenster, Türen |
Mittel, gute Standfestigkeit, harzreich, mäßig witterungsfest |
gering |
gering |
Eibe |
Möbelbau, Furniere |
Ziemlich hart, sehr dauerhaft, wetterfest |
gering |
gering |
Einheimische Laubhölzer |
Holzname |
Verwendung |
Eigenschaften |
Pilzanfälligkeit |
Insektengefahr |
Eiche |
Bauholz, Rahmen, Bootsbau, Furniere, Innenausbau |
Hart, sehr dauerhaft, wetterfest |
pilzfest |
insektenfest |
Esche |
Möbel, Innenausbau, Fußböden, Bootsbau |
Hart, gute Dauerhaftigkeit, mäßig wetterbeständig |
pilzfest |
groß |
Rüster |
Möbel, Innenausbau, Parkett, Treppen, Furniere |
Hart, gute Dauerhaftigkeit, geringe Wetterbeständigkeit |
groß |
Sehr groß |
Rot-/Weißbuche |
Bauholz für innen, Parkett, Drechslerholz |
Hart, geringe Standfestigkeit, geringe Wetterbeständigkeit |
groß |
gering |
Ahorn |
Möbel, Tischplatten, Furniere, Parkett |
Hart bis mittelhart, gute Stand- und Dauerfestigkeit, nicht wetterbeständig |
groß |
gering |
Birke |
Möbel, Parkett, Drechslerholz, Furniere |
Mittelhart, gute Dauerhaftigkeit, nicht wetterbeständig |
groß |
Sehr groß |
Linde |
Spielwaren, Modellbau, Drechslerholz, Furniere |
Weich, gute Dauerhaftigkeit, nicht wetterbeständig |
groß |
Sehr groß |
Apfel / Birne / Kirsche / Zwetschge |
Ausstattungsholz, Furniere, Drechslerholz, Intarsien |
Hart, gute Standfestigkeit, nicht bis mäßig wetterbeständig |
gering |
Sehr groß |
Nußbaum |
Ausstattungsholz, Furniere, Drechslerholz, Intarsien |
Hart, gute Standfestigkeit, mäßig wetterbeständig |
Sehr groß |
Sehr groß |
Exotische, außereuropäische Hölzer |
Holzname |
Verwendung |
Eigenschaften |
Pilzanfälligkeit |
Insektengefahr |
Mahagoni / Palisander |
Außen-und Innenbau, Bootsbau, Furniere, Möbel |
Hart, sehr gute Standfestigkeit, sehr wetterbeständig |
pilzfest |
insektenfest |
Teak |
Bauholz, Wasserbau, Bootsbau, Furniere, Möbel |
Hart, sehr gute Standfestigkeit, sehr wetterbeständig |
pilzfest |
insektenfest |
Limba / Gabun |
Innenausbau, Sperrholz, Furniere, Möbel |
Weich, gute Standfestigkeit, nicht wetterbeständig |
groß |
Sehr groß |
Robinie
(ROB) robinia pseudacacia |
Konstruktionsholz für hohe Beanspruchung |
hart, sehr resistent, fester als Buche und Eiche, |
sehr groß |
insektenfest |
Holzschutz
Um alle Eigenschaften des Holzes möglichst lange zu erhalten und das Holz vor frühzeitiger Zerstörung durch Einwirkungen der Umwelt oder Beeinträchtigungen durch Schadinsekten oder Pilzen zu bewahren, ist es unumgänglich, den Naturbaustoff Holz an erster Stelle durch bauliche und konstruktive Holzschutzmaßnahmen, durch Holzoberflächenbehandfungen und ergänzend durch Holzschutzmittel zu schützen. Der wesentliche Inhalt des baulichen Holzschutzes besteht darin, durch geeignete bauliche und konstruktive Maßnahmen den Feuchtigkeitszutritt zum Holz zu verhindern und den Schädlingen die Lebensgrundlage zu entziehen (Beispiel: weit überstehende Dächer, hinterfüftete Holzverkleidungen). Ein Oberflächen- oder Witterungsschutz mit geeigneten Oberflächenbehandlungsmitteln ist überall dort notwendig, wo das Holz vor äußeren Einwirkungen (Feuchtigkeit, UV-Strahlung, etc.) geschützt oder behandelt (optische Gestaltung) werden soll. Zur Ergänzung des konstruktiven Holzschutzes ist es in einigen Fallen sinnvoll bzw. sogar vorgeschrieben (DIN 68800 Holzschutz im Hochbau), Holzschutzmittel einzusetzen. Dieses sollte dann aber mit weniger giftigen, aber wirksamen und anwendungsfreundlichen Mitteln durchgeführt werden, am besten mit Holzschutzmitteln der Naturfarbenhersteller. Holzschutzmittel im Innenbereich sind immer problematisch und lassen sich durch geeignete konstruktive Maßnahmen in den meisten Fällen relativ einfach vermeiden.
DIN 68800, Holzschutz im Hochbau
Der „Holzschutz im Hochbau“ ist in der Bundesrepublik Deutschland durch die DIN 68800 Teil 1 bis 5 geregelt. Bis vor kurzem schrieb diese Norm einen vorbeugenden chemischen Holzschutz mit amtlichem Prüfzeichen (PAV-Nummer) für tragende und aussteifende Holzteile zwingend vor. Im Entwurf der Neufassung der DIN ist diese zwingende Vorgabe aber, resutierend aus der Diskussion um die gesundheitlichen Auswirkungen der Holzschutzmittel, grundlegend geändert worden. Das wichtigste an der Neufassung der DIN 68800 ist die Tatsache, daß tragende und aussteifende Holzbauteile am Bau nur dann noch mit einem amtlich geprüften Holzschutzmittel behandelt werden müssen, wenn die Gefahr eines holzzerstörenden Pilz-und Insektenbefalles besteht. Gemäß DIN 68800 kann ein Pilzbefall erst ab einer Holzfeuchte >20 % auftreten. Da aber z. B. überdachtes Holz im Außenbereich im Normalfall nicht mehr als 18% Holzfeuchte aufweist, ist eine pilzwidrige Behandlung nicht notwendig. Eine Gefahr von Bauschäden durch Insekten liegt ebenfalls gemäß DIN 68800 nicht vor, wenn das Holz entweder durch geeignete Bekleidung geschützt ist, oder jederzeit kontrollierbar ist oder die Holzfeuchte 10% nicht übersteigt. In den meisten Fällen ist demzufolge ein Einsatz von Holzschutzmitteln nicht erforderlich.
Ist mit einem Pilz-oder Insektenbefall zu rechnen, was besonders im ungeschützten Außenbereich und bei Konstruktionsfehlern auftreten kann (außen an der Wetterseite, Fenster, Carport, etc. und innen in feuchten, schlecht belüfteten Räumen) so sollte man durchaus Holzschutzmittel einsetzen.
Bekämpfende Holzschutzmaßnahmen
Bei einem Befall des Holzes durch Pilze oder Insekten sollte zunächst einmal festgestellt werden, um welche Art Pilz oder Insekt es sich handelt. Denn im Zweifelsfall ist der Einsatz von härteren (giftigeren) Mitteln oder Verfahren unumgänglich, um dem Befall Einhalt zu gewähren. Grundsätzlich sind bislang neben den harten chemischen Mitteln Und Verfahren nur 3 Möglich- keiten bekannt, befallenes Holz zu behandeln:
Austausch und Ersatz befallener Holz- und Bauteile Hierbei sind alle befallenen Teile zu entfernen und zu verbrennen oder durch z.B. Abbeilen von gesunden Bereichen abzutrennen. Eine Sanierung dieser Art stellt die sicherste Methode des bekämpfenden Holzschutzes dar, ist aber in den wenigsten Fällen möglich. Das neu einzubauende Holz sollte vorbeugend mit Borpräparaten behandelt werden.
Holzessig Seit alters her ist bekannt, daß Holzessig insektizide und fungizide Wirkstoffe besitzt und in einigen Fällen gegen Holzbefall zum Erfolg führt. Holzessig wird durch trockene Destillation von zumeist Buchenholz gewonnen. Neben Essigsäure sind auch Holzteeröle enthalten, die nicht unbedenklich sind. Holzessig hat außerdem einen unangenehmen Geruch und sollte deshalb nur im Außenbereich eingesetzt werden.
Heißluftverfahren Das umweltfreundlichste Verfahren zur Bekämpfung befallenen Holzes ist das Heißluftverfahren.
Bei diesem Verfahren wird die das Holz umgebene Raumluft mit Hilfe von einem Heißluftgebläse so weit erhitzt, daß sich in dem befallenen Holz eine Temperatur von ca. 55 o C über einen Zeitraum von einer Stunde einstellt. Nach dieser Einwirkdauer sind alle Pilze und Insekten sicher abgetötet. Bei diesem Verfahren ist jedoch der technische Aufwand nicht unerheblich, so daß ein Fachbetrieb eingeschaltet werden muß. Das Verfahren wird in der Regel nicht bei Dachböden reetgedeckter Häuser wegen möglicher Brandgefahr angewandt. Kleinere Holzteile, wie z.B. Möbel können auch in eine Sauna gestellt und darin der gleichen Temperatur und Zeitdauer ausgesetzt werden. Hierbei ist aber zu beachten, daß geleimte oder furnierte Teile in Mitleidenschaft gezogen werden können. Restaurateure verwenden bei Massivholz mitunter auch einen Heißluftfön.
Vorbeugende Holzschutzmittel
Holzschutzmittel haben die Aufgabe, das Holz durch Ihre Giftwirkung vor Pilz- bzw. Insektenbefall zu schützen. Man unterscheidet wasserlösliche und ölartige bzw. lösemittelhaltige Holzschutzmittel.
Die wasserlöslichen Mittel bestehen aus Salzen, die im wesentlichen aus Chrom-, Kupfer-, Bor-, Arsen- und Fluorverbindungen zusammengesetzt sind. Sie werden in Wasser gelöst, auf Holz aufgebracht und verbleiben nach Verdunsten des Wassers im Holz. Sie können sowohl auf nasses als auch auf trockenes Holz aufgebracht werden. Die öligen Mittel (Teeröle, Steinkohlenteeröle, organische Fungizide und Insektizide) können nur auf trockenem Holz (Holzfeuchte <20%) benutzt werden und trocknen durch Verdunstung von Lösemitteln. Als Wirkstoffe werden und wurden neben den Schwermetallverbindungen Wirksubstanzen wie z.B. PCP, Lindan, Endosulfan, TBTO, etc. in Holzschutzmitteln eingesetzt. Aus vielen Pressemitteilungen ist mittlerweile bekannt, dass diese Wirkstoffe ein hohes Gefahrenpotential für Mensch und Umwelt darstellen und möglichst vermieden werden sollten. Die B-Salze (Borverbindungen) bilden die einzige Gruppe von Holzschutzmitteln, die keinerlei Anwendungsbeschränkungen unterliegen. Sie dürfen auch in Räumen verarbeitet werden, in denen Lebens- und Futtermittel lagern. Obwohl gegen Menschen recht ungiftig, haben sie eine ausgezeichnete Wirkung gegen Pilze (auch Bläuepilze) und Insekten. Trotz dieser positiven Eigenschaften sind diese wasserlöslichen B-Salze nur wenig verbreitet, weil sie einige anwendungstechnische Nachteile haben: sie können leicht vom Regen wieder ausgewaschen werden. Deshalb ist eine nachträgliche Fixierung durch weitere Anstriche unumgänglich. Außerdem können die B-Salze durch Schwankungen der Holzfeuchte an der Oberfläche des Holzes wieder auskristallisieren, wobei ihre Wirksamkeit verringert wird. Der Fachmann spricht deshalb oft vom ,,psychologischen Holzschutz“.
Mikrowellen
In jüngster Zeit arbeitet man an einem neuen Verfahren: hier werden die Holzschädlinge mittels Mikrowellen bestrahlt und vernichtet. Ebenso wie bei dem Mikrowellenherd in der Küche macht man sich die Eigenschaft dieser Wellen zunutze, dass der Grad der Erhitzung abhängig ist vom Feuchtigkeitsgehalt des zu erhitzenden Mediums. Bein "normal" trockenem Holz von ca. 8 - 10 % werden hier die Schädlinge wesentlich schneller als das Holz erhitzt. Bevor dieses, oder dessen Oberfläche, Schaden nimmt ist der Gerinnungspunkt des Eiweißes der Insekten von ca. 55° C bereits weit überschritten und die Schädlinge sind dauerhaft vernichtet.
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